Dr. Ralph Brückner
Für das Bayernblatt des Corps Bavaria Würzburg erstellte Dr. Ralph Brückner folgenden Beitrag über seine berufliche Entwicklung , der im September 2004 veröffentlicht wurde und hier auszugsweise wiedergegeben wird :
Chronologie
05/1994 bis 02/1995
Diplomarbeit an der Universität Würzburg in Organischer Chemie
unter der Leitung von Prof. Dr. G. Bringmann: "Synthese bekannter Chloral- und neuer Bromal-abgeleiteter Tetrahydro-beta-carboline und ihr neurotoxisches Potential auf die Enzymkomplexe der Atmungskette"
03/1995 bis 05/2000
Dissertation an der Universität Würzburg am Lehrstuhl von Prof. Dr. G. Bringmann: "Synthese von [14C]-TaClo - Pharmakokinetik und neurotoxisches Verhalten eines Chloral-abgeleiteten Tetrahydro-beta-carbolins"
09/1999 bis 02/2000
Niederschrift der Dissertation
EHRENAMTLICHE TÄTIGKEITEN:
seit 06/1995
Mitarbeit in der Vorstandschaft des Studentenvereins Bavaria e.V
06/1995
Stiftungsfestsenior Corps Bavaria
01/1997 bis 12/1999
Mitglied der studentischen Kommission zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses der Universität Würzburg
BERUFLICHE TÄTIGKEITEN:
09/1994 bis 02/1995
Wissenschaftlicher Assistent an der Universität Würzburg (Betreuung des Chemiepraktikums für Mediziner)
03/1995 bis 08/2000
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Organische Chemie der Universität Würzburg (Erstellung und Bearbeitung von Publikationen, Ergebnisberichten; Organisation und Durchführung wissenschaftlicher Tagungen; Betreuung des Isotopenpraktikums und des Organisch-chemischen Praktikums; graphische Präsentation wissenschaftlicher Ergebnisse des Lehrstuhls; Datenbank-Recherchen; Betreuung von Laboranten;)
Mitarbeit und Koordinationstätigkeit im interdisziplinären BMBF-Schwerpunktprojekt: “Morbus Parkinson und andere Basalganglien-Erkrankungen“
09/2000 bis 02/2002
Postdoc im Institut für Biotechnologie 1 des FZ Jülich (Etablierung und Anwendung der IC-MS/MS zur Quantifizierung von Metaboliten des Zentralstoffwechsels von C. glutamicum)
ab 01/2001
Gruppenleiter der “NMR- / Metabolom-Gruppe“
seit 03/2002
Laborleiter für Pharmakokinetik & Metabolismus bei Boehringer Ingelheim Austria GmbH Wien in der Abteilung. Medizinische Chemie der Onkologie
HOBBIES:
Fremdsprachen, Kulturreisen, Literatur, Medizin;
Joggen, Inline-Skaten, Golf, Schwimmen, Skilanglauf, Ski-alpin, Tennis
WISSENSCHAFTLICHER LEBENSLAUF
Als Doktorand des Arbeitskreises von Herrn Prof. Bringmann arbeitete ich in Kooperation mit Neuromedizinern, Biologen und Verhaltensforschern an einem vom BMBF geförderten, interdisziplinären Forschungsprojekt, das sich mit einem Tiermodell zur Entstehung des ‘Morbus Parkinson’ beschäftigte.
Meine Aufgabe bestand darin, das in diesem Verbundprojekt zu untersuchende Neurotoxin ‘TaClo’ radioaktiv zu synthetisieren und seine Pharmakokinetik in den Organen und Körperflüssigkeiten der Ratte zu ermitteln. Die Tierexperimente (Verteilungskinetik) führte ich in der Neurochemie in Marburg durch. Des weiteren habe ich eine HPLC- Chromatographie entwickelt, mit der ich in Kombination mit der Massenspektrometrie (LC-MS/MS) die Metaboliten dieses Alkaloids im Gehirn und Urin der Ratte identifizieren konnte.
Im Rahmen von Struktur-Wirksamkeits-Beziehungen befaßte ich mich u.a. mit den pharmakologischen Wirkungen dieses Neurotoxins auf das dopaminerge bzw. serotonerge Transportersystem (hieraus resultierte eine gemeinsame Publikation mit Cbr. Lesch) sowie mit der Hemmwirkung hochhalogenierter b-Carboline auf die Enzymkomplexe der mitochondrialen Atmungskette. Darüber hinaus hatte ich im Arbeitskreis Bringmann die Gelegenheit, Einblicke in die Entwicklung von anti-Malaria- und anti-HIV-aktiven Wirkstoffen bis hin zur klinischen Forschung zu sammeln.
Der Weg in die Medizinische Chemie/Pharmazie war so quasi vorprogrammiert. Doch war die Stellensituation Anfang 2000 nicht so üppig, so dass ich in der Woche meines Rigorosums ein Stellenangebot als Postdoc im Forschungszentrum Jülich angenommen hatte. Ich verlegte somit meinen Lebensschwerpunkt an die deutsch-belgisch-holländische Grenze nach Aachen. Dieser Wechsel gab mir die Gelegenheit mich im Institut für Biotechonlogie des FZ Jülich intensivst mit der analytischen Chemie (oben erwähnte LC-MS/MS) auszutoben, meinen Horizont in Sachen Primärmetabolismus (Krebszyklus, etc.) zu erweiteren und erste Erfahrungen in puncto Mitarbeiterführung zu sammeln. Nach einem Jahr Jülich stellte sich die entscheidende Frage, ob ich auf der wissenschaftlichen Schiene weitermachen würde oder in die Industrie wechseln sollte. Spannenderweise eröffneten sich für mich beide Möglichkeiten quasi zeitgleich. Einerseits hatte ich die volle Unterstützung meines Professors für eine Habilitation andererseits schneite eines tags bei mir eine e-Mail von Boehringer rein, die durch unsere Jülicher Homepage und eine Stellenausschreibung von mir auf mich aufmerksam wurden. Sinnigerweise gingen sie davon aus, dass ein Doktorand von mir gehen würde (was nicht der Fall war!). Doch ich fragte artig nach, schickte meinen Lebenslauf mit und fand mich 2 Wochen später zum Bewerbungsgespräch in Biberach wieder. Alles verlief prima und noch während ich im Zug nach Aachen saß kam die Einladung zum 2. Gespräch in Wien. Zwischenzeitlich rumorte es gar ordentlich in mir, da ich meinen Mitarbeitern und meinem Chef nichts anmerken lassen durfte und mich natürlich entscheiden musste was für mich der richtige Weg sei. Die nächsten 6 Jahre in Jülich allein unter Biologen und Biotechnologen noch mal forschen wie zu Dissertationszeiten? Oder ab nach Wien und in die Pharmazeutische Industrie? Die Antwort war für mich glasklar und so wechselte ich zum 01.März 2002 auf meine jetzige Laborleiterstelle in der onkologischen Forschung von Boehringer Ingelheim Wien.
Zu meinem Aufgabenbereich gehört die pharmakokinetische Charakterisierung von Forschungssubstanzen in der frühen Phase. Schon frühzeitig möchte man wissen, dass neue Substanzen nicht nur superwirksam sind, sondern auch metabolisch stabil. Gibt es in einer Substanzklasse Probleme so bestimme ich mit meinen Mitarbeitern die Metaboliten und diskutiere das Ergebnis mit den Synthesechemikern, die dann die metabolischen Angriffspositionen blockieren müssen. Ist es dann gelungen Substanzen mit ausgewogenen pharmakologischen und pharmakokinetischen Eigenschaften zu synthetisieren so werden diese im Tumorversuch an Nacktmäusen auf ihre in-vivo-Wirksamkeit getestet. Verläuft dieser Test zufrieden stellend (sprich der Tumor verschwindet), werden die Substanzen auf ihre toxikologischen Eigenschaften hin am Schwein auf Herz und Niere geprüft. Danach geht es dann in Phase I für erste Versuche am Menschen in die Klinik.
Die Arbeit an der wissenschaftlichen Front der Krebsforschung ist eigentlich schon motivierend genug. Kann man das ganze in einem nagelneuen Gebäude mit modernst ausgestatteten Labors und lauter jungen und hochmotivierten Kollegen durchführen so ist dies ein weiteres Plus!! Zudem habe ich im Herzen der Donaumetropole einen neuen Freundeskreis gefunden, mit dem ich sehr viel unternehme. Mal geht’s zum Afterwork-Cocktail in die Onyx-Bar (Haas-Haus), auf einen Kaffee am Naschmarkt (oder in eines der vielen Kaffeehäuser), mal zum Heurigen oder in eine der Kleinbrauereien (im Siebenstern gibt es auch Bamberger Rauchbier!), zum Filmfestival am Rathausplatz, zum Wandern Richtung Schneeberg, Segeln am Attersee, zum genüßlichen Walzertanzen in die Hofburg oder zum Entspannen bei klassischer Musik in den Musikverein (Ort des Neujahrkonzertes), Inlineskaten auf der Donauinsel, etc.. Wien und seine Umgebung bieten da ein sehr reichhaltiges Angebot.
(Dr. Ralph Brückner, Wien)